Web-Usability Test: Thinking Aloud

thinking allowed

Web-Usability bezeichnet, wie einfach und benutzerfreundlich ein Webangebot für seine (potenziellen) User gestaltet ist.

Benutzer verlassen eine Webseite: wenn sie zu kompliziert zu bedienen ist, wenn Inhalt und Angebot nicht klar zu erkennen sind, wenn sie sich auf den Seiten verlieren, die Informationen zu schwer zu lesen sind oder die Informationen keine Antworten auf Benutzerfragen bieten (angelehnt an Nielsen, 2012a). Das soll mittels vorherigen Testens vermieden werden.

Eine der günstigsten und raschesten Methoden, um ein Webangebot auf seine Usability zu testen, ist die „Thinking Aloud“ – Methode: das „Laute Denken“ von Testpersonen während des Betrachtens und Navigierens.

Ablauf:
Eine Testperson erhält Aufgaben, die sie auf den Webseiten löst (zum Beispiel in einem Webshop ein Produkt suchen oder eine Information in einem Wiki finden) und soll währenddessen ihre Gedanken und Meinungen laut aussprechen. Ein oder mehrere Beobachter protokollieren das Geschehen.
So kommt man selbst mit einigen wenigen Testläufen schnell zu Ergebnissen: „was nicht funktioniert und geändert werden sollte und was funktioniert und erhalten bleiben sollte“ (Krug, 2014, S 124).

Vorteile:
– kostengünstig: kein aufwändiges technisches Equipment, keine teuren Studien/Expertisen notwendig, wenige Probanden für brauchbare Ergebnisse
– Probanden reagieren spontan und authentisch
– flexibel: kann in verschiedenen Phasen der Entwicklung eingesetzt werden, kann in einem Büro, einem Konferenzraum oder auch komplett ortsunabängig durchgeführt werden: moderiert mittels Remote testing / Screen-sharing oder unmoderiert mittels Videoaufnahmen.
(Ryte Wiki, 2019 und Krug, 2014, S 140)

Nachteile:
– Das ‚laute Denken‘ kann die Zeit der tatsächlichen Aufgabe verzögern und Probanden könnten vor dem Aussprechen nachdenken wollen (zum Beispiel um nicht als dumm zu wirken).
– Stellt die Testleitung die falschen Fragen oder will ‚zu viel‘ Hilfestellung leisten, werden Probanden beeinflusst und Ergebnisse womöglich komplett verfälscht.
– ‚Unnatürliche‘ Situation: hier kann die richtige Testleitung aber dafür sorgen, dass sich Probanden wohlfühlen, sich auf ihre Aufgaben konzentrieren und zum Weitersprechen animieren („Was denken Sie?“, „Worauf schauen Sie gerade?“, „Was tun Sie im Moment?“)
(Nielsen, 2012b und Krug, 2014, S 126)

Metaphorisch gesehen:
Krug (2014, S. 114) beschreibt die Testmethode ganz trefflich wie eine Touristenrunde mit auswärtigen Freunden durch die Heimatstadt: die Freunde sehen Dinge, die einem selbst gar nicht auffallen oder zur Gewohnheit geworden sind und die anderen erkennen vielleicht nicht, was man selbst als offensichtlich hält.

Literaturquellen:

Krug, S. (2014). Don’t make me think!: Web & Mobile Usability: Das intuitive Web. Mitp

Nielsen, J. (2012a). Usability 101: Introduction to Usability. Abgerufen von https://www.nngroup.com/articles/usability-101-introduction-to-usability

Nielsen, J. (2012b). Thinking Aloud: The #1 Usability Tool. Abgerufen von https://www.nngroup.com/articles/thinking-aloud-the-1-usability-tool

Ryte Wiki (2019). Thinking Aloud Test. Abgerufen von https://de.ryte.com/wiki/Thinking_Aloud_Test

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Der Selbssttest:

Unser Team von 4 Personen erhielt die Aufgabe, ein Wiki mittels Thinking Aloud zu testen. Da wir ortsunabhängig daran arbeiten mussten, erstellten wir einzeln je ein Screencast und fassten dann unsere Ergebnisse im einem Dokument zusammen. Am Schluss präsentieren wir das Gesamtpaket den StudienkollegInnen.

Der Live-Test:

++
Als Userin, die relativ „zackig“ Aufgaben lösen und relevante Informationen finden will, bot das Wiki ein perfektes interface und sehr gute features (Suchfeld am gewohnten Ort, Suchvorschläge, aussagekräftige, leicht verständliche & kurz-knackige Links / Menüs / Infoblöcke / Inhaltsverzeichnisse / Texte.)

+
Die Aufgaben waren sehr schnell und stressfrei zu lösen.

Das laute Aussprechen während des Aufgaben-Lösens verzögert tatsächlich die Aufgabe an sich und die Konzentration lässt schon nach einigen Minuten nach. Hier hätte mir eine Testleiterin (präsent oder online), wie in der Literatur empfohlen, helfen können, fokussierter weiterzumachen.

Bei den letzten 2 Aufgaben habe ich schon ‚gehudelt‘, da ich das Video nicht zu lang werden lassen wollte und Lösungen übersehen, die schon vor mir am Bildschirm waren.

Bei einem Aufgabenthema verbrachte ich etwas längere Zeit und wollte weitere Links anklicken, weil es mich persönlich interessiert hat (Mann im Salz), bei einem anderen versuchte ich die Aufgabe so objektiv wie möglich zu lösen, weil mich das Thema persönlich nicht interessiert hat (Fußball).

Alle Minus-Punkte fielen weg, wenn eine (gute) Testleiterin dabei wäre, was auch üblich ist bei der Methode.

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Veröffentlicht2019-04-17 von manuelaschoendorfer in Kategorie "Tasks & LessonsLearned

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